Doppelresidenz - was heißt das?

Die Doppelresidenz (Wechselmodell) besagt, dass die Kinder zwei Elternhäuser erleben. Dabei ist das Wesen der Doppelresidenz, dass die Kinder annähernd gleich viel Zeit in beiden Elternhäusern verbringen.

Theoretisch beginnt die Doppelresidenz mit einem permanenten Wechsel bis hin zu einem einmaligen Wechsel nach neun Jahren. Die Extreme sollen aber nur das Wesen der Doppelresidenz zeichnen. Für Kinder im Säuglingsalter ist ein häufiger Wechsel besser. Je älter die Kinder werden, desto seltener kann der Wechsel erfolgen. Wichtig ist, dass der Wechsel zu beiden Elternhäusern erfolgt!

Ab dem 16. Lebensjahr sollten die Kinder ihre Wohnverhältnisse dann sehr stark selber bestimmen können, da dann die Zeit der Selbständigkeit beginnt und die Kinder ihre eigenen Wege gehen sollen.

Doppelresidenz versus Nestmodell

Im Gegensatz zum Nestmodell (Ein-Residenz-Modell) sichert die Doppelresidenz, dass die Kinder zu beiden Eltern den Kontakt behalten. Die Schäden durch Umgangsverweigerung zu einem Elternteil sind für Kinder bei weitem nachhaltiger, als die Belastungen bei einer Doppelresidenz. Dies betrifft das Kindeswohl als auch die wirtschaftliche  und Lebensperspektive des "Besuchselternteils". Diese sind teilweise so unattraktiv, dass viele Väter und auch einige Mütter erhebliche Schwierigkeiten haben ein vernünftiges Leben zu führen. Das könnte wohl auch mit ein Grund sein, warum die Suizidrate bei Männern dreimal so hoch ist, wie bei Frauen (2007 je Hundertausend Einwohner wählten 16 Männer und 6 Frauen den Freitod).

Voraussetzungen für die Doppelresidenz

Eine Doppelresidenz ist nur möglich, wenn beide Eltern in einer geeigneten Umgebung wohnen. Von Vorteil ist es, wenn die Entfernung zwischen den Elternhäusern nur wenige hundert Meter sind. Das ermöglicht auch den Kindern selbständig ggf. beim anderen Elternteil etwas zu holen oder zu erledigen. Generell gilt - der Elternteil, der von dem ursprünglichen gemeinsamen Wohnort weggezogen ist muss auch die Last mit den Wegen tragen.

Für ältere Kinder ist auch der freie Zugang zu beiden Elternhäusern von Vorteil. Allerdings ist gerade bei hoch strittigen Trennungen dies leider nicht möglich.

Außerdem müssen beide Eltern erziehungsfähig sein. Ist ein Elternteil krank, drogenabhängig oder anderweitig in der Ausübung der elterlichen Aufgaben eingeschränkt, so kann die Doppelresidenz nur unter dieser Berücksichtigung gelebt werden.

Wissenschaft

Bisher werdden in Deutschland keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Doppelresidenz vorgenommen, da es politische nicht gewollt ist, dass Väter gleichwertig die Kinder nach einer Trennung erziehen.

Im Europäischen Ausland wird die Doppelresidenz als bevorzugte Erziehungsregelung nach einer Trennung der Eltern eingesetzt. In Frankreich ist es Pflicht die Doppelresidenz zu leben, bevor ein Antrag bei Gericht gestellt werden kann. In Belgien ist die Doppelresidenz im Gesetz verankert. In Amerika und Kanada wird die Doppelresidenz schon seit langem in Betracht gezogen. In den skandinavischen Ländern ist die Entfremdung von Kindern so verpönt, dass sich eine Mutter kaum traut den Kontakt zum Vater zu behindern.

Jan Piet H. de Man hat Anfang des Jahrtausend eine Zusammenfassung internationaler Studien zum Thema Doppelresidenz versus Besuchsmodell erstellt. In jüngerer Zeit gibt es auch andere Studien, die sich mit der Doppelresidenz als bevorzugtes Modell beschäftigen.

Die Studien stehen für autenthifizierte Mitglieder nach dem Login zur Verfügung.

Woche - Woche - oder ?

Bei dem Wechselmodell gehen Fachleute vorwiegend von einem wöchentlichen Wechsel aus. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass dieser Wechsel einige Probleme mit sich bringt. Geeigneter ist ein Wechsel, bei dem die Betreuung der Kinder durch einem Elternteil an den Wochentagen orientiert wird.

Also Montag bis Mittwoch Früh bei der Mutter, Mittwoch Nachmittag bis Freitag beim Vater und das Wocghenende im Wechsel. So ist es den Kindern möglich Aktivitäten von einem Elternteil aus durchzuführen. Handball Dienstags vom Haushalt der Mutter, Klavier Donnerstags beim Vater.

Auch ein Wechsel in längeren Interwallen z.B. monatlich ist denkbar. Dann ist aber zwischenzeitlich ein Besuch beim anderen Elternteil notwendig.

Beendigung der Doppelresidenz

In folgenden Fällen sollte die Doppelresidenz beendet werden:

  1. wenn die Kinder älter als 14 Jahre sind und es selber wollen,
  2. wenn es beide Eltern wollen und sich auf ein umfangreiches Besuchsrecht einigen können,
  3. wenn ein Elternteil nicht mehr erziehungsfähig ist,
  4. wenn ein Elternteil das Kind aufhetzt.

Bei der Beendigung der Doppelresidenz ist aber dem Elternteil für die kontinuierliche Betreuung der Kinder der Vorzug zu geben, der die Doppelresidenz weiterhin leben wollte, soweit dem nicht medizinische Gründe entgegenstehen.

 

Studien zur Doppelresidenz

Weitere Informationen sind auf den folgenden Seiten erhältlich:

doppelresidenz.at